Die Würde des Menschen ist unantastbar – wirklich?

Zum 60 jährigen Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948

Artikel 1 der EU-Grundrechtscharta besagt: „Die Menschenwürde ist unantastbar“. Ebenso steht im Deutschen Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“. Erste Voraussetzung dafür ist das Recht auf Leben, das an prominentester Stelle in Artikel 3 der Allgemeinen Menschenrechtserklärung verankert ist. Und speziell für uns Christdemokraten steht im Grundsatzprogramm der CDU: „Die Würde des Menschen schützen – Vom Beginn bis zum Ende des Lebens“.

Dürfen Beginn und Ende der Menschenwürde an Kriterien geknüpft werden, die von Menschen festgelegt werden?

Der Wunsch nach einem gesunden Kind zum rechten Zeitpunkt ist heute zu einem Anspruch geworden, auf den es ein ungeschriebenes Recht zu geben scheint. Die Zahl der Spätabtreibungen nimmt zu. Die Feststellung einer „Behinderung“ führt in der großen Mehrzahl der Fälle zur Tötung des Kindes. Die Menschenwürde der ungeborenen, aber auch der geborenen Behinderten sowie ihrer Eltern wird dadurch massiv untergraben.

Die Straffreistellung der Abtreibung in den ersten 12 Wochen hat nicht zu einer Abnahme der Abbrüche geführt. Das Bewusstsein in der Gesellschaft, dass sich im Mutterleib ein Kind und nicht ein Zellhaufen befindet, wurde nicht gefördert, sondern hat dadurch abgenommen. Das Recht auf Selbstbestimmung wird mit dem Argument, es diene dem Wohl der Frau, selbstverständlich über das Recht auf Leben des Kindes gestellt. Dass viele Frauen unter den Folgen einer oft in Zeitnot und unter großem Druck aus ihrem Umfeld getroffenen Entscheidung für eine Abtreibung leiden, wird ausgeblendet. Legalisierung oder „Liberale“ Abtreibungsregelungen erhöhen diesen Druck auf die Frauen, da diese zur Verharmlosung und allgemeinen Akzeptanz von Abtreibung als Instrument der Familienplanung beitragen. Die Menschenwürde der Frau und des Kindes am Beginn des Lebens ist bereits stark eingeschränkt.

Auf internationalem politischen Parkett ist immer lauter und deutlicher die Forderung zu vernehmen, man müsse pünktlich zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte diese heute erweitern. Es soll etwas zum Menschenrecht erhoben werden, das in den meisten Ländern rechtswidrig ist: die Abtreibung. Nachdem de facto 46 Millionen Abtreibungen pro Jahr dazu führen, dass auf unserem Globus ganze Generationen nicht mehr geboren werden, soll diese Praxis nun auch de jure legitimiert werden – und zwar nach dem Top-Down-Prinzip: Würde Abtreibung zum Menschenrecht erhoben, würde der langwierige Weg der völligen Legalisierung von Abtreibung um ein gutes Stück verkürzt werden. Die nationale Souveränität in dieser Frage verkäme zur Farce.

Wir Christdemokraten treten für die Unteilbarkeit der Menschenwürde und den Schutz des menschlichen Lebens ein. Da jede Festlegung eines Beginns oder Endes letztlich Willkür wäre, gilt dies ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle bis zum natürlichen Tod. Das Grundsatzprogramms der Christlich Demokratischen Union Deutschlands betont dies ausdrücklich: „Die unantastbare Würde des Menschen als Geschöpf Gottes ist menschlicher Verfügung nicht zugänglich und ist zu schützen. Der Mensch ist immer Subjekt, er darf niemals Objekt sein. Die Würde des Menschen ist auch für die Bewertung bioethischer Herausforderungen Ausgangs- und Orientierungspunkt. Sie erfordert Achtung und Schutz des menschlichen Lebens in allen Phasen. Das noch nicht geborene Leben bedarf beginnend mit der Verschmelzung von Samen und Eizelle unseres besonderen Schutzes und unseres kritischen Umgangs mit den sich weiter entwickelnden Möglichkeiten der Pränataldiagnostik. Wir treten für ein Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) ein. Mit den hohen Abtreibungszahlen, die sich auch aus Spätabtreibungen ergeben, finden wir uns nicht ab. Wir müssen Frauen und Männern dabei helfen, sich für das Leben zu entscheiden.“ Setzen wir uns gemeinsam mit aller Kraft dafür ein!

CDL – Christdemokraten für das Leben – eine Initiative in der CDU/CSU