Martin Kastler MdEP: Selektion kranken Lebens ist eine moralische Katastrophe

Pressemitteilung vom 23. April 2009

Martin Kastler MdEP (CSU), Europaabgeordneter aus Nürnberg (Foto: martin-kastler.de)

Martin Kastler MdEP (CSU), Europaabgeordneter aus Nürnberg
(Foto: martin-kastler.de)

CSU-Europaabgeordneter verurteilt Abstimmung zum Trakatellis-Bericht über die Behandlung seltener Krankheiten

Der mittelfränkische Europaabgeordnete Martin Kastler (CSU) übt scharfe Kritik am Bericht des griechischen Parlamentskollegen Trakatellis, der heute durch das Europäische Parlament verabschiedet worden ist. „Dieser Bericht ist ein Rückschritt in unseren Bemühungen, Europa zu einem Vorbild für Zivilisation und Menschlichkeit zu machen“, so Kastler.

Seltene Krankheiten im europäischen Rahmen behandeln
Mit großer Mehrheit hatte das Europäische Parlament einen Vorschlag für eineEmpfehlung des Rates zur Unterstützung von Patienten mit seltenen Krankheiten angenommen. Kastler teilt die Grundüberzeugung des Berichts: „Es ist richtig: Seltene Krankheiten müssen im europäischen Rahmen behandelt werden, wenn es in einem Land nicht ausreichend Experten gibt und auch nicht ausreichend Patienten, um neue Therapien zu erforschen.“

Unheilige Allianz von Sozialdemokraten, Kommunisten und Liberalen
Zu Kastlers „Nein“ zum gesamten Bericht führte ein Änderungsantrag des griechischen Berichterstatters Trakatellis, welcher mit Hilfe der Sozialdemokraten, Kommunisten und Liberalen nachträglich in den Text aufgenommen worden war. Dieser Antrag fordert die „Ausmerzung“ von genetisch bedingten Erkrankungen unter anderem durch „Selektion“ von Embryonen. Gemeinsam mit gleichgesinnten Kollegen sowie durch die Unterstützung der Kirchen und Behindertenverbände konnte Kastler lediglich eine Abschwächung im Plenum erreichen. Da jedoch der Großteil der kritischen Ergänzung erhalten blieb, stimmte Kastler gegen den Gesamtbericht. „Der unbedingte Schutz des menschlichen Lebens von der Befruchtung der Eizelle bis zum natürlichen Tod hat für mich Vorrang. Wenn es um Leben oder Tod geht, müssen wir kompromisslos für das Leben sein. Das gilt gerade für behindertes Leben, das an sich schon großen Beschwerden ausgesetzt ist“, erläutert Kastler seine Entscheidung.

Umgang mit Behinderten als Gradmesser Menschlichkeit
Der Historiker verwies auf die seines Erachtens erschreckende Sprache des Antrags: „Von Ausmerzen und Selektieren haben in der Politik zuletzt vor 70 Jahren die Nationalsozialisten in Deutschland gesprochen. Es ist erschreckend, dass solche Ideen heute in Europa scheinbar nicht nur politik-, sondern sogar mehrheitsfähig geworden sind.“ Kastler, der Mitglied bei den Christdemokraten für das Leben ist, brachte für die weitere Bekämpfung der Initiative seine Solidarität mit den Behindertenverbänden zum Ausdruck: „Gerade am Umgang mit behindertem Leben zeigt sich, wie menschlich unsere Gesellschaft ist. Vor diesem Hintergrund ist die heutige Entscheidung eine moralische Katastrophe.“

 
Quelle: martin-kastler.de; CDL-Bundesverband