Menschenwürde und Lebensrecht gehören zusammen

Quelle: idea e.V. Evangelische Nachrichtenagentur – 09.05.2009

Staatsrechtler: Recht auf Leben tritt hinter Selbstbestimmung zurück
Köln (idea) – Gegen die Trennung der Menschenwürde vom Lebensrecht hat sich der Staatsrechtler Prof. Josef Isensee (Bonn) ausgesprochen. Er sprach am 8. Mai in Köln beim Festakt zum 25-jährigen Bestehen der Juristen-Vereinigung Lebensrecht. Wie er sagte, sei zwar das Recht auf Leben nie so hoch gehalten worden wie heute, allerdings trete es immer wieder hinter das Recht auf Selbstbestimmung zurück, wie zum Beispiel bei der Frage der Abtreibung oder der Forschung mit Embryonen. Nicht das Leben sei heute der höchste Wert, sondern das Recht, selbst zu bestimmen. Gerade Christen hätten die Aufgabe, die Menschenwürde zu verteidigen. Denn während jene, die nicht an einen Schöpfergott glauben, die Würde des Menschen nicht begründen könnten, könnten Christen sie mit der Ebenbildlichkeit Gottes erklären.

Unzumutbarkeit rechtfertigt nicht Tötung
Der Vorsitzende der Juristen-Vereinigung, Richter a.D. Bernward Büchner (Freiburg), kritisierte, dass menschliches Leben heute mitunter als nicht zumutbar angesehen werde und damit dessen Tötung im Mutterleib gerechtfertigt werde. Büchner: „Die Gleichwertigkeit allen menschlichen Lebens schließt es aus, die Tötung eines Menschen damit zu rechtfertigen, sein Leben sei anderen unzumutbar.“ Insbesondere die Praxis der Spätabtreibungen sei „eine Barbarei, die nichts an ihrer Scheußlichkeit verlöre, wenn sie sich künftig weniger häufig wiederholte“, sagte Büchner vor dem Hintergrund der laufenden Beratungen über eine Gesetzesänderung in Zusammenhang mit Spätabtreibungen. Der Lebensrechtler zog eine nüchterne Bilanz seiner Arbeit: „Mit unseren bisherigen Bemühungen konnten wir – wie die deutschen Lebensrechtler insgesamt – keine spektakulären Erfolge verbuchen.“ Allerdings habe man in der rechtswissenschaftlichen Auseinandersetzung zum Lebensschutz „einen nicht unbedeutenden Beitrag geleistet“.

Kardinal: „Erst am Jüngsten Tag …“
Der katholische Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, würdigte bei der Feier die Arbeit der Lebensrechtler. Sie setzten sich für die Menschen ein, „die keine eigene Stimme haben“. Die Würde des Menschen hänge nicht von Parlamentsbeschlüssen ab, sondern leite sich von dem menschlichen Wesen und dem Willen des Schöpfers ab. Das Ziel, dass diese Würde in allen seinen Lebensphasen geachtet wird, werde allerdings erst „am Jüngsten Tag“ erreicht werden.

Kein Kompromiss bei Leben und Tod
Die Gründerin der Christdemokraten für das Leben (CDL) und Vorsitzende der Stiftung „Ja zum Leben“, Johanna Gräfin von Westphalen (Meschede), lobte die Arbeit der Juristen-Vereinigung: „Ihre großartigen Fachleute … gaben den grob geschnitzten Lebensrechtlern rechtlichen Schliff und Kompetenz.“ Die heutige Vorsitzende der CDL, Mechthild Löhr (Königstein/Taunus) sagte, die Vereinigung habe immer deutlich zum Ausdruck gebracht, dass es bei der Entscheidung zwischen Leben und Tod keine Kompromisse geben könne. Der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz und Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrechtsgruppen, Hartmut Steeb (Stuttgart), dankte in einem schriftlichen Grußwort für die „hervorragende juristische Arbeit“.