Wandel in USA

Erstmals mehr Amerikaner für das Recht auf Leben (pro-life) als für das Recht auf Abtreibung (pro-choice)

Immer weniger Befürworter einer generellen Freigabe von Abtreibung

15. Mai 2009, von Lydia Saad (Original)
übertragen ins Deutsche von Daniel Kästner

PRINCETON, NJ — Eine neue Gallup-Umfrage, durchgeführt vom 7. bis 10. Mai, kommt zu dem Ergebnis, dass 51% der Amerikaner persönlich in puncto Abtreibung für das Recht auf Leben stimmen, für das Recht auf Abtreibung nur noch 42%. Dies ist das erste Mal, dass sich eine Mehrheit der erwachsenen US-Bürger als „pro-life“ identifiziert haben, seit Gallup 1995 anfing diese Frage zu stellen.

Copyright 2009 Gallup, Inc. All rights reserved.

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Die neuen Resultate, die auf der jährlichen Gallup – Werte- und Glaubensumfrage basieren, stellen eine bedeutende Verschiebung zum Vorjahr heraus, als 50% pro-choice und 44% pro-life waren. Bisher betrug der Anteil derer, die persönlich gegen das Recht auf Abtreibung und für das Recht auf Leben eingestellt waren, maximal 46% im August 2001 und Mai 2002.

Die aktuelle Umfrage dokumentiert vergleichbare Änderungen der öffentlichen Meinung über die Legalität der Abtreibung. Auf die Frage, in welchem Umfang Abtreibung zugelassen sein sollte, antworteten diesmal gleich viele Amerikaner mit Abtreibung „sollte unter allen Umständen verboten sein“ (23%) und „sollte unter allen Umständen zugelassen sein“ (22%). Dieses Verhältnis kontrastiert zu den letzten vier Jahren, als Gallup eine starke Neigung der allgemeinen Haltung zugunsten der uneingeschränkten Abtreibung fand.

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Gallup fand auch in den Jahren 2005 und 2002 sowie oft während der ersten Dekade der Erhebungen zu dieser Frage von 1975 bis 1985 große Zustimmung für die extremen Ansichten über Abtreibung, ungefähr so wie heute. Nach wie vor und seit 1975 ununterbrochen bleibt die vorherrschende Meinung (53%) zu dieser Frage, dass Abtreibung nur unter bestimmten Umständen zugelassen sein sollte.

Wenn man diese mittlere Gruppe genauer befragt, sollte Abtreibung „unter den meisten Umständen zugelassen“ (Legal under most circumstances) oder „nur unter einigen Umständen zugelassen“ (Legal only in a few circumstances) sein, findet Gallup folgende Zusammensetzung der Meinungen.

Haltung zur Rechtmäßigkeit von Abtreibung

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Die neue Tendenz der Amerikaner zur Positionierung gegen die Abtreibung wird in zwei anderen Umfragen bestätigt. Die gleichen drei Abtreibungsfragen, die in der Gallup-Werte- und Glaubensumfrage gestellt wurden, waren in der Gallup-Abstimmung „Poll Daily“ vom 12.-13. Mai eingeschlossen, mit fast identischen Resultaten, einschließlich einer 50% zu 43% -Verteilung auf die Frage, wie man persönlich zur Abtreibung steht („pro life“ oder „pro choice“).

Copyright 2009 Gallup, Inc. All rights reserved.Zusätzlich ergab eine aktuelle nationale Umfrage durch das Pew Research Center eine Abnahme um acht Prozentpunkte seit letztem August bei denen, die sagen, dass Abtreibung in allen oder in den meisten Fällen zugelassen sein sollte (von 54% auf 46%). Der Prozentsatz derer, die sagen, Abtreibung sollte nur in einigen oder in keinen Fällen zugelassen sein, erhöht sich im gleichen Zeitraum von 41% bis 44%. Infolgedessen ist die Unterstützung für die zwei Hauptpositionen jetzt ungefähr gleich groß, ganz anders als in den meisten Erhebungen zu dieser Frage seit 1995, als die Mehrheit gewöhnlich die Freigabe bevorzugt hat.

Republikaner rücken nach rechts

Die Quelle der Verschiebung in der Einstellung zur Abtreibung ist in der Gallup-Wert- und Glaubenumfrage klar. Der Prozentsatz der Republikaner (einschließlich Unabhängige, die den Republikanern nahe stehen), die sich als „pro-life“ bezeichnen, erhöhte sich im letzten Jahr um 10 Prozent von 60% auf 70%, während es in den Ansichten der Demokraten und ihnen Nahestehenden im Wesentlichen keine Änderung gegeben hat.

Haltung der Republikaner

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Haltung der Demokraten

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Die Zunahme der Ablehnung von Abtreibung wird von sich als Konservative und Moderate bezeichnenden Menschen getragen. Die Abtreibungsansichten der politisch Liberalen haben sich nicht geändert.

pro-life-Anteile in den politischen Lagern

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„Pro-Life“ angesagt unter Katholiken und Protestanten

Eine der hervorstechenden Nachrichten im Zusammenhang mit Abtreibung in den letzten Monaten bezieht sich auf die Eröffnungsrede des Präsidenten Barack Obama und die Verleihung eines Ehrendoktortitels an ihn an der Universität von Notre Dame – einer römisch-katholischen Anstalt – am Sonntag (17.05.2009). Die Einladung hat Kritik der konservativen Katholiken und der Kirchehierarchie wegen Obamas Politik zugunsten der Legalisierung und Finanzierung von Abtreibung hervorgerufen. Die Kontroverse könnte das Ziel gehabt haben, die „pro-life“-Nähe der einfachen Katholiken zu stärken.

Der Anstieg der pro-life-Position seit letztem Jahr ist im Wesentlichen unter Christen zu verzeichnen: acht Punkte Zuwachs unter Protestanten und sieben unter Katholiken.

Haltung nach Konfessionen

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Zustimmung nach Geschlechtern

Vor einem Jahr bezeichneten sich gegenüber Gallup mit 50% zu 43% mehr Frauen als pro-choice (Recht auf Abtreibung) als pro-life (gegen Abtreibung), während Männer fast gleich geteilt waren: 49% für das Recht auf Abtreibung, 46% gegen Abtreibung. Jetzt sind wegen der erhöhten Wertschätzung des Lebensrechts unter beiden Gruppen Frauen ebenso wie Männer häufiger gegen Abtreibung.

In den vergangenen Jahren waren Männer und Frauen jeweils in zwei gleich große Lager geteilt; jedoch ist es dieses Jahr das erste Mal in neun Jahren Gallup-Werte-Umfragen, dass deutlich mehr Männer und Frauen gegen Abtreibung als für das Recht auf Abtreibung sind.

Frauen

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Männer

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Endergebnis

Mit dem ersten Präsident nach acht Jahren, der für das Recht auf Abtreibung eintritt und bereits die US-Politik der Finanzierung von Abtreibung in Übersee ändert, seine Unterstützung für den „Freedom of Choice Act“ ausdrückt und anstrebt, den Kündigungsschutz für medizinische Arbeitskräfte aufzuheben, die es ablehnen, an Abtreibungsverfahren teilzunehmen, scheinen die Amerikaner – und insbesondere Republikaner – einen Schritt von der „pro-choice“-Position Abstand zu nehmen. Jedenfalls ist diese Bewegung unter politischen Moderaten sowie Konservativen unübersehbar.

Es ist möglich, dass Obama durch seine Abtreibungspolitik das Verständnis der Öffentlichkeit davon, was es bedeutet, „pro choice“ – für das Recht auf Abtreibung – zu sein, politisch etwas nach links gedrückt hat. Während Demokraten das unterstützen können, da sie im Allgemeinen alles stützen, was Obama als Präsident tut, kann es andere in die entgegengesetzte Richtung treiben.

Umfragemethode

Die Ergebnisse basieren auf Telefoninterviews vom 7. bis 10. Mai 2009 mit 1.015 erwachsenen US-Bürgern im Alter von mindestens 18 Jahren. Der Fehler beträgt mit 95% Wahrscheinlichkeit maximal ±3%.

Die Ergebnisse der Gallup-Tagesumfrage, als Teil der Gallup-Tagesumfrage-Folge, basieren auf Telefoninterviews vom 12. bis 13. Mai 2009 mit 971 erwachsenen US-Bürgern im Alter von mindestens 18 Jahren. Der Fehler beträgt mit 95% Wahrscheinlichkeit maximal ±3%.

Interviews werden mit Befragten über Festnetztelefonen (für Befragte mit einem Festnetztelefon) und über Mobiltelefone geführt (für Befragte, die nur ein Mobiltelefon besitzen).

Zusätzlich zum Stichprobenfehler können Fragenformulierungen und praktische Schwierigkeiten in Umfrageübersichten Störung oder Einfluss auf die Erhebung von Meinungsumfragen darstellen.

Copyright 2009 Gallup, Inc. All rights reserved. 15. Mai 2009