PID: Mehr Familien- und Behindertenfreundlichkeit statt mehr Technisierung des Kinderbekommens

Was bieten wir als Staat und als Gesellschaft Menschen an, die in der biologisch günstigsten Lebensphase Kinder bekommen möchten oder die erfahren müssen, dass ihr Kind krank oder behindert sein wird?

Die biologisch günstigste Phase der Fruchtbarkeit von Frauen liegt im Bereich von 20 bis 30 Jahren. Ab dem 35. Lebensjahr sinkt die natürliche Fruchtbarkeit und steigt die Häufigkeit von Fehlbildungen der Kinder sehr stark. Der Staat und wir als Gesellschaft, die an Nachwuchs interessiert sein müssen, sollten also jungen Menschen die Familiengründung in diesem Alter ermöglichen. Auch angesichts der hohen Lebenserwartung und Lebensarbeitszeit ist eine finanzielle Unterstützung einer Familiengründungszeit nachhaltiger als der gesellschaftliche Verzicht auf Nachwuchs zugunsten kurzfristiger wirtschaftlicher und steuerlicher Interessen.

Bisher wird leider der vermeintlich einfachere Weg gegangen und als fortschrittlich verkauft. Junge Menschen und besonders Frauen sollen immer früher und lückenloser erwerbstätig sein. Die allg. materielle Erwartungshaltung, die Ausbildungszeiten und Anstellungsverhältnisse lassen eine Familiengründung in jungen Jahren besonders bei studierten Frauen kaum noch zu. Das durchschnittliche Alter der Erstgebärenden ist auf ca. 30 Jahre gestiegen, Akademikerinnen liegen deutlich darüber. Die natürliche Folge der geringeren Fruchtbarkeit wird mit dem Angebot künstlicher Befruchtung und das erhöhte Risiko von Fehlbildungen durch immer genauere Qualitätskontrollen der ungeborenen Kinder oder Embryonen beantwortet. Der Mensch wird als Mechanismus betrachtet und was nicht ins Raster passt, wird technisch aussortiert. Nicht der Norm entsprechende Menschen werden immer vollständiger durch vorgeburtliche Untersuchungen (Pränataldiagnostik – PND) aufgespürt und danach überwiegend getötet. Zukünftig sollen unter dem Deckmantel der Erleichterung eines Ja zum Kind für Menschen mit Erbkrankheiten per künstlicher Befruchtung mehrere Kinder in der Petrischale gezeugt werden, um eines mit erwünschten Merkmalen auszuwählen und die anderen absterben zu lassen. Dieses Verfahren wird als Präimplantationsdiagnostik (PID) bezeichnet und wird derzeit im Bundestag diskutiert.
Die Bundesärztekammer sieht in Deutschland eine Gruppe von ca. 200 betroffenen Paaren jährlich, für die dieses Verfahren zulässig sein soll. Da eine so enge Begrenzung nach bisherigen Erfahrungen mit der Pränataldiagnostik (PND) nicht eingehalten werden kann, es werden auch in Zukunft Eltern aus individuellen Gründen gegen die Begrenzung klagen, wird es eine schleichende Ausweitung geben. Dies sieht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel so und lehnt daher den Einstieg in die PID ebenso wie wir ab. Zur Verdeutlichung der heutigen Auswüchse im Breich der PND sei darauf verwiesen, dass heute 19 von 20 Kindern mit Down-Syndrom (Trisomie 21) durch die PND entdeckt und im Mutterleib getötet werden. Dabei sind diese Menschen voll lebensfähig, überaus freundlich und liebevoll und können bei entsprechender Förderung ein erfülltes Leben führen. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, in der solche Menschen keinen Platz haben dürfen? Zählt nur der gesunde, der leistungsfähige Mensch? Dürfen Menschen Kriterien aufstellen, nach denen ein menschliches Leben lebenswert oder (der Gesellschaft) zumutbar ist?
Genau dies wird aber mit der vorgeschlagenen „Begrenzung“ der PID durch Ethikkommissionen unumgänglich. Wie soll aber eine Ethikkommission über solche Fragen entscheiden? Werden die Betroffenen Ablehnungen akzeptieren? Es wird weitere Klagen geben und wieder von Richtern entschieden werden, was ein lebenswerter Mensch ist. Der Trend zum Designer-Baby wird sich auf diese Weise Bahn brechen. Angesichts der Anzahl von nur 200 betroffenen Paaren jährlich ist die Möglichkeit der Adoption eines Kindes als realistische und bei weiten weniger risikobehaftete Alternative in Betracht zu ziehen.

Als Christdemokraten haben wir ein anderes Menschenbild und auch mit der Definition der Menschenwürde ist das mechanische Menschenbild nicht vereinbar. Wir wollen eine menschliche Gesellschaft, die Ja sagt zu jungen Familien und die bereit ist, Familien mit behinderten oder kranken Kindern umfassend zu unterstützen, statt nach PND jetzt die PID einzuführen.