Frühling beim Lebensschutz?

Quelle: Die Tagespost

Mechthild Löhr, Vorsitzende CDL. Foto: PR

Mechthild Löhr, Vorsitzende CDL. Foto: PR

VON MECHTHILD LÖHR

CDU-Generalsekretär Peter Tauber (39) hat in seinem ersten großen Interview bereits für Aufmerksamkeit gesorgt. Er betont den Lebensschutz, beklagt die bleibend hohen Abtreibungszahlen und will jede aktive Form der Sterbehilfe verboten sehen. Das hat viele Beobachter überrascht. Denn klare Statements zum Lebensschutz und seiner grundsätzlichen Bedeutung waren in den letzten Jahren nicht nur in Berlin Mangelware.

In den Bundes- und Länderparlamenten ist das konsequente Beschweigen des Dramas der millionenfachen Abtreibungen in den vergangenen Jahrzehnten ebenso selbstverständlich geworden wie die bewusste Missachtung der negativen Folgewirkungen für alle Beteiligten.

Leider wiederholt auch Tauber das falsche „Credo“

Wenn Tauber, lange Mitglied der Christdemokraten für das Leben (CDL), erklärt: „Es kann uns aber nicht kaltlassen, dass es in Deutschland über 100000 Abtreibungen im Jahr gibt. Jede Einzelne davon ist eine schwere Entscheidung und bedeutet Leid – nicht nur für das abgetriebene Leben, sondern auch für die Frauen und ihre Partner“, bestätigt er damit, dass es gerade in der jüngeren Generation ein wacheres Interesse für die Familien- und Lebensrechte gibt.

Aber leider wiederholt auch Tauber das allgegenwärtige, falsche „Credo“: „An den geltenden gesetzlichen Regelungen wollen wir nichts ändern!“ Warum? Wer wie er und andere junge Unionspolitiker befürchtet, der neue Koalitionsvertrag gehe vor allem zu Lasten der jüngeren Generation, muss jetzt den Mut aufbringen, den Irrweg der konkreten, praktischen Abtreibungsförderung durch den Staat politisch zu verlassen. Wenn Tauber sagt, er sei mit seiner Position zum Lebensschutz „in meiner CDU sicher nicht alleine“, stimmt das sogar erfreulicherweise.

Zum „Frühling“ für den Lebensschutz gehört mehr als Worte oder Interviews

Er hat wohl auch einen klaren Blick auf das inhaltlich bedrohlich unkenntlich gewordene Profil der Union und die deshalb stark bröckelnde Basis der Partei, die er als Generalsekretär wieder neu stabilisieren soll. Ohne Besinnung auf Familie und Lebensschutz geht das nicht!

Vielleicht ist langsam sogar im Berliner „Politikbetrieb“ angekommen, dass inzwischen mehr Menschen, nicht nur in der Union, erschrocken erkennen, wie stark ihre Zukunft und die der Gesellschaft gefährdet ist, weil das „Ja“ zu jedem Menschen, am Lebensanfang wie am Ende, immer häufiger zu einem definitiven, tötenden „Nein“ wird. Aber zum „Frühling“ für den Lebensschutz gehört nunmal mehr als Worte oder Interviews. Es müssen politische
Taten folgen, wenn Politik glaubhaft und wirksam werden soll. Beim neuen §217 StGB, der möglichst jede aktive Beihilfe zur Selbsttötung untersagen sollte, stehen wir vielleicht kurz davor, zu einem neuen und deutlich besseren Ergebnis für den Schutz suizidal gefährdeter Menschen zu kommen. Für Frühlingsprognosen ist es allerdings noch zu früh!

Die Autorin ist Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL). DIE TAGESPOST hat diesen Gastkommentar am 16. Januar 2014 veröffentlicht.