Gespräch am Rande des Marsches für das Leben

Gespräch mit zwei jungen Männern (F) am Rande des 14. Marsches für das Leben am 22. September 2018 in Berlin:
In Klammern sind Ergänzungen eingefügt.

F: Wer veranstaltet diese Demo?
A: Der Bundesverband Lebensrecht.

F: Wofür demonstriert ihr?
A: Für das Recht auf Leben von Anfang bis Ende, also gegen Abtreibung und Euthanasie.

F: Abtreibung ist doch aber erlaubt!
A: Nein, Abtreibung ist verboten und rechtswidrig, aber straffrei für die Frau und den Arzt (in den ersten drei Monaten nach Beratung).

F: Ha, und was ist dann mit der Selbstbestimmung der Frau?
A: Die hat sie bis zum Zeitpunkt der Zeugung (eines neuen Menschen).

F: Es kann doch aber mal passieren, daß die Verhütung nicht klappt.
A: Ja, das kann jederzeit passieren und das lernen heute bereits die Grundschüler. Alle wissen und akzeptieren das, wenn sie sich darauf einlassen.

F: Soll man also enthaltsam leben?
A: Wer ganz sicher kein Kind bekommen möchte, weil seine Lebenssituation eben so ist, der hat nur diese eine sichere Möglichkeit, die Enthaltsamkeit. (Generell raten wir daher dazu, nur in der Ehe Sex zu haben.)

F: Seid ihr gegen jede Abtreibung?
A: Ja!

F: Ist für euch bereits die befruchtete Eizelle ein Mensch?
A: Ja! Jede andere Festlegung wäre willkürlich (und ethisch fragwürdig).

F: Ihr argumentiert mit dem Potentialitätsargument …
A: Ja, sicher, es kann aus der menschlichen Eizelle und dem menschlichen Samen nur ein Mensch entstehen, kein anderes Lebewesen!

F: In den ersten Wochen ist es doch aber nur ein Zellklumpen!
A: Man könnte jeden von uns ebenso als Zellklumpen ansehen.

F: Ja, aber wir haben doch eine Persönlichkeit, können unseren Willen artikulieren!
A: Da sind wir ganz schnell bei Peter Singer und Norbert Hoerster, die argumentieren, Kinder könnten auch nach der Geburt noch nicht klar ihren Willen ausdrücken und daher getötet werden.

F: Kann es nicht Situationen geben, in denen eine Frau sagt, sie schafft es nicht?
A: Ja, dieses anfängliche Gefühl ist auch ganz normal und noch viel stärker trifft dieses Gefühl, das man auch als Kontrollverlust bezeichnet, die Väter. Mit der Zeit legt sich das wieder und man fragt sich, warum sollte ich daß, was andere schaffen, was auch meine Eltern geschafft haben, nicht auch schaffen?

F: Was ist aber bei Vergewaltigung?
A: Auch da (hat das Kind auch laut Bundesverfassungsgericht ein eigenes Recht auf Leben und) ist es besser für die Frau, das Kind nicht töten zu lassen, denn langfristig ist die psychische Belastung des Austragens und ggf. der Freigabe zur Adoption geringer als die der Freigabe zur Tötung.

F: Und was ist, wenn das Kind krank ist oder Gefahr für das Leben der Mutter besteht?
A: Da haben wir zusammen mit den Vergewaltigungsfällen in Deutschland wenige tausend Fälle, etwa 4000. Es werden aber jedes Jahr 100.000 Abtreibungen, also 96.000 nach der Beratungsregelung gemeldet!

F: Wo steht das?
A: Das ist nachzulesen beim Statistischen Bundesamt.

F: Wie viele Schwangerschaften oder sagen wir Geburten gibt es pro Jahr?
A: Es gibt knapp 800.000 Geburten im Jahr.

F: Jede neunte Schwangerschaft wird abgebrochen? Das erscheint mir aber viel! 1 zu 8? Das kommt mir zu viel vor.
A: Das ist aber leider so. (Und es werden nicht alle Fälle gemeldet.) In der DDR war es jede dritte Schwangerschaft!

F: Was ist aber, wenn das Kind nur ein Jahr überleben wird? Soll die Frau es zu Tode pflegen?
A: (Warum nur die Frau? Die Diagnosen stimmen auch nicht immer.) Wir raten dazu, das Kind dennoch auszutragen und es dann liebevoll zu begleiten, bis es auf natürliche Weise stirbt. (So kann es auch würdevoll bestattet werden und die Familie hat einen Ort der Erinnerung.)

F: Ist das nicht eine unheimliche psychische Belastung?
A: Die langfristige psychische Belastung für die Frau bzw. die Eltern kann mindestens genauso hoch oder sogar höher sein, wenn sich unabweisbar der Gedanke einstellt, daß sie selbst aktiv den Tod des Kindes herbeigeführt hat bzw. haben.

F: Keine Frau treibt ihr Kind leichtfertig eben mal so ab. Oft sind Frauen einfach in einer ausweglosen Lage.
A: Davon gehen auch wir aus. Es kommt da ganz wesentlich auf die Mitmenschen an. Diese müssen den Eltern beistehen. Tun sie das nicht, machen sie sich unterlassener Hilfeleistung schuldig. Raten oder drängen sie gar zur Abtreibung, machen sie sich strafbar. Wir wollen den Frauen mit praktischer Beratung und Hilfe aus dieser Lage heraus helfen und ihnen so ein Ja zum Kind ermöglichen. (Außerdem gibt es in Deutschland tausende Paare, die vergeblich auf ein Kind warten und nichts sehnlicher wünschen, als eines adoptieren zu dürfen.)

11. Oktober 2018. Anlässlich des morgigen Berufungsverfahrens im Fall Kristina Hänel fordert ein Verbändebündnis, dem pro familia angehört, erneut, den Paragraphen §219a StGB ersatzlos zu streichen.

„11. Oktober 2018. Anlässlich des morgigen Berufungsverfahrens im Fall Kristina Hänel fordert ein Verbändebündnis, dem pro familia angehört, erneut, den Paragraphen §219a StGB ersatzlos zu streichen.“ profamilia.de

F: Die Beratung zum Leben hin ist ja sowieso vorgeschrieben. Gibt es denn Beratungsstellen, die nicht so beraten?
A: Es gibt da Zweifel. Die größte deutsche Beratungsorganisation „pro familia“ setzt sich massiv ein für die völlige Freigabe der Abtreibung (Streichung von §218 und §219 StGB) und unterhält auch „Medizinische Zentren“, in denen von der Verhütungsberatung über den Ultraschall bis zum sogenannten Schwangerschaftsabbruch alles angeboten wird. (Vor der Gesetzesänderung in den neunziger Jahren betrieb „pro familia“ Familienplanungszentren, in denen unter einem Dach Konfliktberatung und Abtreibung durchgeführt wurden. Daß heute noch ein Anbieter von „Schwangerschaftsabbrüchen“ auch als Träger von Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen auftritt, erscheint nach dem Gesetz zur Vermeidung und Bewältigung von Schwangerschaftskonflikten unzulässig, wird aber bislang offenbar von den Behörden toleriert.)

F: Wo kann man sich denn über die verfügbaren Hilfen informieren?
A: Es sind alle Beratungsstellen dazu verpflichtet darüber zu informieren. Aber besonders die christlich getragenen Beratungsstellen vermitteln diese Hilfen.

F: Wo können sich Konfessionslose beraten lassen?
A: Auch bei diesen Beratungsstellen und bei Trägern wie dem DRK oder beim Gesundheitsamt.

Logo des Bundesverbands Lebensrecht e.V.F: Ihr habt sicherlich politische Forderungen, ihr wollt ja sicher was erreichen…
A: Diese stehen nachzulesen auf der Seite des Bundesverbands Lebensrecht.

F: Wir danken für das Gespräch.
A: Ich wünsche euch für euer Leben alles Gute.